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Die angewandte Informatik steht zwischen der theoretisch geprägten Kerninformatik und den betriebswirtschaftlich oder gestalterisch ausgerichteten Nachbarfächern. Sie vermittelt dieselben informatischen Grundlagen, richtet sie aber konsequent auf Anwendungsfelder aus. Im Fernstudium wird der Studiengang unter anderem an der Wilhelm Büchner Hochschule* angeboten, üblicherweise mit dem Abschluss Bachelor of Science und 180 ECTS-Punkten einschließlich Bachelorarbeit.
Zwei Vertiefungen, zwei Berufswege
Nach den Grundlagensemestern trennen sich die Wege. Verbreitet sind zwei Vertiefungsrichtungen, die sich in Inhalten und Berufsfeldern deutlich unterscheiden:
Die wirtschaftsinformatische Richtung verbindet Informatik mit betriebswirtschaftlichen Fragestellungen: Geschäftsprozesse analysieren, sie in Systemen abbilden, ERP-Landschaften betreuen, IT-Projekte führen. Typische Aufgaben liegen in Beratung, Anforderungsanalyse, Vertrieb technischer Lösungen und Projektkoordination – häufig in Banken, Versicherungen, Industrie und im öffentlichen Sektor.
Die medieninformatische Richtung arbeitet an der Schnittstelle von Software und Medien: Webtechnologien, Benutzeroberflächen, Bild- und Tonverarbeitung, interaktive Anwendungen. Klassische Einsatzfelder sind E-Commerce, digitale Produktentwicklung, Marketingtechnologie und Unterhaltungsmedien. Neben fachlichem Wissen zählt hier ein Gespür für Gestaltung und Nutzerverhalten.
Studienaufbau
Die ersten Semester bilden die gemeinsame Basis: Programmierung, Algorithmen und Datenstrukturen, Datenbanken, Rechnernetze, Softwaretechnik sowie Mathematik und Statistik. Erst im Kern- und Vertiefungsstudium kommen die richtungsspezifischen Module hinzu, ergänzt um Wahlpflichtfächer, eine Praxisphase und die Bachelorarbeit. In der Summe ergeben die Module 180 ECTS-Punkte.
| Voraussetzungen | Allgemeine Hochschulreife, Fachhochschulreife oder fachgebundene Hochschulreife. Beruflich Qualifizierte können nach dem jeweiligen Landeshochschulgesetz auch ohne Abitur zugelassen werden – etwa über eine Aufstiegsfortbildung oder über eine abgeschlossene Berufsausbildung mit mehrjähriger einschlägiger Berufstätigkeit, teils verbunden mit einer Hochschulzugangsprüfung. |
| Regelstudienzeit | Sechs bis sieben Semester in Vollzeit. Berufsbegleitend im Fernstudium deutlich länger; Fernhochschulen räumen in der Regel eine kostenfreie Verlängerung der Betreuungszeit ein. |
| Abschluss | Bachelor of Science, 180 ECTS-Punkte, mit Bachelorarbeit als Pflichtbestandteil. |
| Studienbeginn | An Fernhochschulen meist jederzeit möglich, an staatlichen Hochschulen zum Semesterbeginn. |
| Prüfungen | Klausuren an Prüfungsstandorten oder als beaufsichtigte Online-Prüfung, dazu Einsendeaufgaben, Projekt- und Laborarbeiten. |
Zum Aufwand hilft die ECTS-Rechnung: Ein Credit entspricht 25 bis 30 Arbeitsstunden, 180 Credits also rund 4.500 bis 5.400 Stunden. Neben einer Vollzeitstelle sind zehn bis zwölf Semester realistischer als die formale Regelstudienzeit. Die Verlängerungsregelung im Studienvertrag ist deshalb einer der wichtigsten Punkte beim Anbietervergleich – zusammen mit den Prüfungsstandorten und der Frage, ob Praxisanteile aus dem eigenen Beruf angerechnet werden können.
Abgrenzung zu verwandten Studiengängen
Wer sich zwischen den Informatik-Varianten entscheiden muss, sollte auf den Schwerpunkt achten, nicht auf den Namen. Ein reines Informatikstudium geht theoretisch tiefer und hält alle Anwendungsfelder offen. Die technische Informatik rückt an Hardware, eingebettete Systeme und Automatisierung heran. Die eigenständige Wirtschaftsinformatik setzt den betriebswirtschaftlichen Anteil höher an als eine bloße Vertiefungsrichtung. Und wer den Menschen im Unternehmen in den Mittelpunkt stellen will, findet im Bachelor Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie eine ganz andere Kombination.
Anerkennung prüfen
Ob eine Hochschule staatlich anerkannt und ein Studiengang akkreditiert ist, lässt sich unabhängig vom Anbieter im Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz und in der Datenbank der Stiftung Akkreditierungsrat nachschlagen. Beide Quellen sind kostenlos. Bei privaten Fernhochschulen lohnt der Blick besonders, weil Formulierungen wie „staatlich zugelassen“ und „staatlich anerkannt“ in der Werbung leicht verwechselt werden.
Häufig gestellte Fragen
Worin unterscheidet sich angewandte Informatik von reiner Informatik?
Die Grundlagen sind weitgehend identisch. Die angewandte Informatik gewichtet Anwendungsfelder, Projektarbeit und Praxisbezug stärker, die klassische Informatik die theoretischen Fundamente. Für den Berufseinstieg spielt der Unterschied selten eine Rolle, für ein forschungsnahes Masterstudium mitunter schon.
Muss ich mich zu Studienbeginn für eine Vertiefung entscheiden?
In der Regel nicht. Die Vertiefung wird meist nach dem Grundlagenstudium gewählt. Wie früh und wie verbindlich, steht in der Prüfungsordnung des jeweiligen Studiengangs.
Ist der Abschluss für ein Masterstudium ausreichend?
Ja, ein Bachelor mit 180 ECTS berechtigt zur Aufnahme eines Masterstudiums. Einzelne Programme verlangen Mindestcredits in bestimmten Fächern, etwa Mathematik oder theoretischer Informatik. Wer einen konkreten Master anstrebt, sollte dessen Zugangsordnung vorab lesen.
Wie viel Praxis steckt im Fernstudium?
Programmier- und Projektaufgaben werden eigenständig bearbeitet und eingereicht, hinzu kommen Labor- und Präsenzphasen. Berufstätige können Abschlussarbeit und Praxisanteile häufig an Themen aus dem eigenen Betrieb anbinden – das muss aber mit dem Prüfungsausschuss abgestimmt werden.





