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Berufsorientierung, in amtlichen Texten meist Berufliche Orientierung, bezeichnet den Prozess, in dem junge Menschen ihre Interessen und Fähigkeiten mit den Anforderungen von Ausbildungsberufen, Studiengängen und Tätigkeiten abgleichen und eine begründete Entscheidung für den nächsten Schritt nach der Schule treffen. Sie umfasst zwei Seiten: die Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Zielen und das Kennenlernen der Arbeitswelt. Schulen, die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit, Betriebe, Kammern, Hochschulen und Eltern sind daran beteiligt.
Berufsorientierung ist kein einzelnes Ereignis, sondern erstreckt sich in der Regel über mehrere Schuljahre der Sekundarstufe I und II. Erwachsene nutzen ähnliche Verfahren bei einer beruflichen Neuorientierung, dann spricht man eher von Berufsberatung oder Laufbahnberatung.
Vorgaben der Kultusministerkonferenz
Die Länder haben die Berufliche Orientierung in einer gemeinsamen Empfehlung der Kultusministerkonferenz vom Dezember 2017 beschrieben. Danach soll sie in allen Bildungsgängen der Sekundarstufe I und II curricular verankert und individuell ausgerichtet sein, entweder in einem eigenen Fach oder fächerübergreifend. In den letzten beiden Jahrgangsstufen der Haupt- und Realschulbildungsgänge sind mehrwöchige Praktika in Betrieben, Verwaltungen oder sozialen Einrichtungen vorgesehen; in der gymnasialen Oberstufe Informationen über Berufsfelder und Anforderungen der Arbeitswelt. Die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung regelt eine Rahmenvereinbarung zwischen der Kultusministerkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit vom 1. Juni 2017.
Die Länder setzen diese Vorgaben in eigenen Erlassen und Landesprogrammen um. Viele Schulen sind verpflichtet, ein Konzept zur Beruflichen Orientierung zu erstellen, das Zuständigkeiten, Jahrgangsplanung und Kooperationspartner festhält. In mehreren Ländern dokumentieren Schülerinnen und Schüler ihre Schritte in einem Berufswahlpass oder Berufswahlportfolio.
Bausteine der Berufsorientierung
| Baustein | Typischer Zeitpunkt | Inhalt |
|---|---|---|
| Potenzialanalyse | Klasse 7 oder 8 | handlungsorientiertes Verfahren zur Erkundung eigener Stärken, meist zwei Tage, mit Auswertungsgespräch |
| Berufsfelderkundung, Werkstatttage | Klasse 8 | praktisches Ausprobieren mehrerer Berufsfelder, etwa in überbetrieblichen Bildungsstätten |
| Betriebspraktikum | Klasse 8 bis 10 | zwei bis drei Wochen in einem Betrieb oder einer Einrichtung, mit Vor- und Nachbereitung im Unterricht |
| Berufsberatung | ab Klasse 8, verstärkt in der Abschlussklasse | Einzelgespräche und Sprechstunden der Agentur für Arbeit in der Schule |
| Studienorientierung | gymnasiale Oberstufe | Schnupperstudium, Hochschulinformationstage, Studienberatung |
| Bewerbungstraining | vor dem Schulabschluss | Unterlagen, Vorstellungsgespräch, Einstellungstests |
Berufsorientierungsprogramm des Bundes
Das Berufsorientierungsprogramm (BOP), das das Bundesinstitut für Berufsbildung im Auftrag des Bundes betreut, verbindet zwei dieser Bausteine: Nach einer zweitägigen Potenzialanalyse in Klasse 7 oder 8 erproben Schülerinnen und Schüler in Klasse 8 während zweiwöchiger Werkstatttage mindestens drei Berufsfelder, und zwar in überbetrieblichen oder vergleichbaren Berufsbildungsstätten statt in Betrieben. Die aktuelle Förderrichtlinie gilt bis zum 31. Dezember 2026 (Stand Oktober 2026). Einzelne Länder setzen eigene Landesprogramme ein, die vergleichbare Elemente enthalten.
Aktionstage und Informationsangebote
Am bundesweiten Girls’Day und Boys’Day lernen Schülerinnen und Schüler an einem Tag im Frühjahr Berufe kennen, in denen ihr Geschlecht bisher selten vertreten ist. Die Bundesagentur für Arbeit bietet Informationsportale für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern, Selbsterkundungstests und das Berufslexikon BERUFENET an. Kammern informieren über Ausbildungsberufe und vermitteln Praktikumsplätze; viele Hochschulen öffnen einmal im Jahr zu Studieninformationstagen.

Rolle der Berufsberatung
Die Agentur für Arbeit ist gesetzlich zur Berufsberatung und Berufsorientierung verpflichtet (§§ 29 bis 33 SGB III). Sie bietet die Beratung kostenlos und unabhängig vom späteren Ausbildungs- oder Studienweg an. Berufsberaterinnen und Berufsberater sind regelmäßig an Schulen präsent, beraten auch Eltern und vermitteln Ausbildungsstellen. In vielen Regionen arbeiten Agentur für Arbeit, Jobcenter und Jugendhilfe in Jugendberufsagenturen zusammen, damit Jugendliche beim Übergang nicht verloren gehen.
Übergänge nach der Schule
Am Ende der Berufsorientierung steht eine Entscheidung zwischen mehreren Wegen:
- Duale Ausbildung: Ausbildung im Betrieb mit Unterricht an der Berufsschule, abgeschlossen mit einer Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer.
- Schulische Ausbildung: etwa in Gesundheits-, Sozial- und Erziehungsberufen an Berufsfachschulen und Fachschulen.
- Weiterführende Schule: Fachoberschule, berufliches Gymnasium oder gymnasiale Oberstufe.
- Studium: an Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften oder als duales Studium.
- Übergangsbereich: Berufsvorbereitung und Einstiegsqualifizierung für Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.
- Überbrückung: Freiwilligendienst, Auslandsaufenthalt oder Praktikum vor der Entscheidung.
Auch an Hochschulen setzt sich die Orientierung fort: Career Services beraten Studierende und Absolventen beim Berufseinstieg, und Alumni berichten in Veranstaltungen über ihre Wege in den Beruf.
Häufig gestellte Fragen
Ab welcher Klasse beginnt die Berufsorientierung?
In den meisten Ländern beginnt sie systematisch in Klasse 7 oder 8, häufig mit einer Potenzialanalyse. In der Sekundarstufe I folgen Berufsfelderkundungen und Praktika, in der gymnasialen Oberstufe kommt die Studienorientierung hinzu.
Was ist eine Potenzialanalyse?
Ein handlungsorientiertes Verfahren, meist über zwei Tage, in dem Jugendliche Aufgaben bearbeiten und dabei von geschultem Personal beobachtet werden. Ziel ist, Stärken und Interessen sichtbar zu machen; die Ergebnisse werden in einem Gespräch ausgewertet und dienen als Grundlage für die weiteren Schritte.
Ist die Berufsberatung der Agentur für Arbeit kostenlos?
Ja. Die Berufsberatung ist eine gesetzliche Aufgabe der Agentur für Arbeit nach dem SGB III und steht Jugendlichen, Eltern und Erwachsenen kostenfrei offen, auch bei Fragen zum Studium.
Wie lange dauert ein Schülerbetriebspraktikum?
Meist zwei bis drei Wochen, je nach Land und Schulform auch länger oder in mehreren Abschnitten. Die Kultusministerkonferenz sieht mehrwöchige Praktika in den letzten beiden Jahrgangsstufen der Haupt- und Realschulbildungsgänge vor.





