Bildungsgutschein: Voraussetzungen, Kosten und Ablauf

Beratungsgespräch am Schreibtisch mit Unterlagen zur Förderung einer Weiterbildung
KI generiertes Bild (Symbolbild)

Der Bildungsgutschein ist die schriftliche Zusicherung der Agentur für Arbeit, die Kosten einer beruflichen Weiterbildung zu übernehmen. Ausgestellt wird er nach einem Beratungsgespräch, wenn die Fördervoraussetzungen vorliegen – vor allem, wenn die Weiterbildung notwendig ist, um Arbeitslosigkeit zu beenden oder eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Einlösen lässt er sich nur bei einem Bildungsträger, dessen Kurs für die Förderung zugelassen ist.

Einen allgemeinen Anspruch auf den Gutschein gibt es nicht, die Agentur entscheidet im Einzelfall. Dieser Ratgeber erklärt die Voraussetzungen, die übernommenen Kosten, den Ablauf bis zum Kursstart, die Regeln für Beschäftigte und die Zusatzleistungen bei abschlussorientierten Weiterbildungen (Stand: Oktober 2026).

Was ist ein Bildungsgutschein?

Die Rechtsgrundlage steht in § 81 SGB III. Nach Absatz 4 bescheinigt der Gutschein, dass die Voraussetzungen für eine Förderung vorliegen. Er kann zeitlich befristet, regional beschränkt und auf bestimmte Bildungsziele begrenzt werden. Laut Merkblatt 6 der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist im Gutschein immer ein Bildungsziel angegeben, und der Kurs wird in der Regel im Tagespendelbereich des Wohnorts ausgewählt.

Was der Gutschein leistet

Der Gutschein sichert die Übernahme der Weiterbildungskosten im festgelegten Umfang zu. Bei Arbeitslosen kommt laut Merkblatt 6 gegebenenfalls die Weiterzahlung des Arbeitslosengeldes oder der Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende hinzu. Mit dem Bildungsgutschein wählt man den Bildungsträger selbst aus. Daneben gibt es Auftragsmaßnahmen, bei denen die Agentur einen Träger beauftragt und eine konkrete Teilnahme anbietet.

Was er nicht ist

Der Gutschein ist kein Bargeld und kein frei verwendbares Budget. Er gilt nur für Kurse, die zum eingetragenen Bildungsziel passen und deren Träger und Maßnahme zugelassen sind. Beginnt die Weiterbildung nicht innerhalb der Gültigkeitsdauer, verfällt er laut Merkblatt 6, und ein neuer Gutschein muss beantragt werden.

Voraussetzungen: Wer gefördert werden kann

Die Grundvoraussetzungen nennt § 81 Abs. 1 SGB III. Sie gelten für Arbeitslose und für Menschen, denen Arbeitslosigkeit droht. Für Beschäftigte gibt es zusätzliche Regeln, die weiter unten erklärt werden.

Erwachsene Teilnehmende in einem Seminarraum einer beruflichen Weiterbildung
Gefördert werden nur Kurse, deren Träger und Maßnahme zugelassen sind. (KI generiertes Bild)
  • Notwendigkeit: Die Weiterbildung ist nötig, um bei Arbeitslosigkeit beruflich einzugliedern oder eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, oder weil ein Berufsabschluss fehlt.
  • Beratung vorab: Die Agentur für Arbeit hat vor Beginn der Teilnahme beraten.
  • Zulassung: Maßnahme und Träger sind für die Förderung zugelassen.
  • Bei Arbeitslosen zusätzlich: Nach Absatz 1a gilt die Weiterbildung auch als notwendig, wenn erweiterte Kompetenzen die individuelle Beschäftigungsfähigkeit verbessern und die Weiterbildung mit Lage und Entwicklung des Arbeitsmarktes vereinbar ist.

Ermessen statt Automatismus

§ 81 Abs. 1 ist eine Kann-Vorschrift. Auch wenn alle Punkte erfüllt scheinen, entscheidet die Agentur im Einzelfall, ob und in welchem Umfang sie fördert. Im Gespräch werden unter anderem Berufsziel, Eignung und Arbeitsmarktbezug besprochen.

Nachträglicher Abschluss und Grundkompetenzen

Für einen nachträglichen Berufsabschluss gelten eigene Regeln (§ 81 Abs. 2). Infrage kommen Menschen ohne Berufsabschluss mit mindestens zweijähriger Ausbildungsdauer sowie Personen, die mehr als vier Jahre an- oder ungelernt gearbeitet haben und ihren erlernten Beruf voraussichtlich nicht mehr ausüben können. Zudem müssen Eignung und Erfolgsaussicht gegeben sein. Laut BA besteht auf die Förderung des nachträglichen Erwerbs eines Berufsabschlusses sowie eines Hauptschul- oder vergleichbaren Schulabschlusses unter bestimmten Voraussetzungen ein Rechtsanspruch. Nach Absatz 3a kann außerdem der Erwerb von Grundkompetenzen gefördert werden, laut BA in den Bereichen Lesen, Schreiben, Mathematik sowie Informations- und Kommunikationstechnologien.

Welche Kosten übernommen werden

Die Bundesagentur für Arbeit nennt vier Kostenarten. Welche davon im Einzelfall übernommen werden, wird im Beratungsgespräch festgelegt.

Kostenart Was dazugehört Hinweis
Lehrgangskosten Lehrgangsgebühren, Lernmittel, Arbeitskleidung, Prüfungsgebühren nur notwendige Kosten
Fahrkosten Fahrten zwischen Wohnung und Bildungsstätte Maßstab: öffentliches Verkehrsmittel, niedrigste Klasse
Kinderbetreuung Betreuung aufsichtsbedürftiger Kinder in der Regel Kinder unter 15 Jahren
Unterkunft und Verpflegung auswärtige Unterbringung nur wenn tägliches Pendeln nicht zumutbar ist

Für Fahrten, Kinderbetreuung und Unterkunft gelten feste Pauschalen und Höchstbeträge, die sich in der Vergangenheit geändert haben. Die aktuellen Werte nennt die Agentur für Arbeit im Beratungsgespräch und im Merkblatt 6. Übernimmt ein Dritter, etwa der Arbeitgeber, einen Teil der Kosten, trägt die Agentur laut Merkblatt nur den verbleibenden Rest.

Ablauf: vom Beratungsgespräch bis zum Kursstart

Die BA beschreibt den Weg zur Förderung in wenigen Schritten. Das Schaubild fasst ihn zusammen. Entscheidend ist die Reihenfolge, denn der Bildungsgutschein muss vor Kursbeginn bei der Agentur vorliegen.

Ablauf Bildungsgutschein1BeratungsgesprächVoraussetzungen klären2Gutschein erhaltenFrist, Region, Bildungsziel3Kurs suchenz. B. bei „mein NOW“4Zulassung prüfenTräger und Maßnahme (AZAV)5Gutschein einlösenbeim Träger, vor Kursbeginn6TeilnehmenNachweise online einreichen
Der Weg zum geförderten Kurs in sechs Schritten: Der Gutschein muss über den Träger vor Kursbeginn bei der Agentur für Arbeit vorliegen. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, § 81 SGB III.
  1. Kontakt aufnehmen: einen Termin bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter anfragen, auch online.
  2. Beratungsgespräch: Die Agentur prüft die Voraussetzungen und stellt gegebenenfalls den Gutschein aus, mit Frist, Region und Bildungsziel.
  3. Kurs suchen: passende Angebote etwa in der Weiterbildungssuche von mein NOW recherchieren, dem Weiterbildungsportal der BA.
  4. Zulassung klären: beim Träger bestätigen lassen, dass Träger und Maßnahme zugelassen sind und der Kurs zum Bildungsziel passt.
  5. Einlösen: Der Träger bestätigt die Aufnahme und legt den Gutschein vor Beginn der Agentur für Arbeit vor.
  6. Teilnehmen: erforderliche Nachweise während der Weiterbildung online übermitteln.

Hinweis für Kundinnen und Kunden des Jobcenters

Nach Angaben der BA erfolgt die finanzielle Unterstützung seit dem 1. Januar 2025 auch für Kundinnen und Kunden des Jobcenters durch die Agentur für Arbeit. Den ersten Kontakt nimmt man laut BA mit der Agentur für Arbeit beziehungsweise dem Jobcenter auf.

Zugelassene Kurse erkennen

Interessent besichtigt einen Schulungsraum mit Computerarbeitsplätzen
Vor der Anmeldung lohnt ein Blick auf Räume, Ausstattung und Lernformen des Trägers. (KI generiertes Bild)

Eingelöst werden kann der Bildungsgutschein nur bei Trägern und für Maßnahmen, die eine fachkundige Stelle nach §§ 176 ff. SGB III und der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen hat. Die fachkundigen Stellen sind laut BA privatwirtschaftliche Unternehmen, die ihrerseits von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) akkreditiert werden. Die Agentur für Arbeit erteilt die Zulassung nicht selbst. Grundlage für das Einlösen ist das Maßnahmezertifikat, das die fachkundige Stelle ausstellt.

Was man beim Träger erfragen sollte

  • ob Träger und konkrete Maßnahme zugelassen sind und ein Maßnahmezertifikat vorliegt,
  • ob Inhalte und Abschluss zum Bildungsziel auf dem Gutschein passen,
  • wann der Kurs beginnt und ob der Start in die Gültigkeitsdauer fällt,
  • wie Unterricht, Praktikum und Online-Lernphasen organisiert sind.

Im Zweifel rät die BA, mit der Agentur für Arbeit zu sprechen. Für den Qualitätsvergleich verweist das Merkblatt 6 auf eine Prüfliste des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Die Zulassungspflicht gilt unabhängig vom Format, also auch für Kurse mit Online-Anteilen. Wie Lernen in digitalen Schulungen organisiert ist, erklärt ein eigener Beitrag. Begriffe rund um Weiterbildungsangebote erläutert das Bildungsglossar.

Bildungsgutschein für Beschäftigte

Auch Beschäftigte können im bestehenden Arbeitsverhältnis durch volle oder teilweise Übernahme der Weiterbildungskosten gefördert werden. Rechtsgrundlage ist § 82 SGB III. Laut BA läuft die Förderung nur in Absprache mit dem Betrieb, der sich in der Regel an den Kosten beteiligt. Sind Arbeitgeber und Beschäftigte einverstanden, kann die Agentur nach § 81 Abs. 4 auf die Ausstellung eines Gutscheins verzichten.

Voraussetzungen nach § 82

  • Die Weiterbildung geht über eine kurzfristige, ausschließlich arbeitsplatzbezogene Anpassung hinaus.
  • Der letzte Berufsabschluss liegt in der Regel mindestens zwei Jahre zurück.
  • In den letzten zwei Jahren gab es keine nach § 82 geförderte Weiterbildung.
  • Die Maßnahme dauert mehr als 120 Stunden, Maßnahme und Träger sind zugelassen.
  • Ausgeschlossen sind Maßnahmen, zu denen der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet ist.

Anteile nach Betriebsgröße

Beschäftigte im Betrieb Arbeitgeberanteil Lehrgangskosten Zuschuss zum Arbeitsentgelt
unter 50 in der Regel keiner 75 %
50 bis unter 500 50 % 50 %
500 und mehr 75 % 25 %

Der Zuschuss zum Arbeitsentgelt geht an den Arbeitgeber und ist eine Kann-Leistung (§ 82 Abs. 3). Fehlt ein Berufsabschluss, kann er bis zur Höhe des anteiligen Arbeitsentgelts für weiterbildungsbedingte Ausfallzeiten reichen. In Betrieben mit weniger als 500 Beschäftigten soll von einer Kostenbeteiligung des Arbeitgebers abgesehen werden, wenn die Person bei Beginn das 45. Lebensjahr vollendet hat oder schwerbehindert ist. Gibt es eine Betriebsvereinbarung oder einen betriebsbezogenen Tarifvertrag zur Weiterbildung, sinkt der Arbeitgeberanteil um fünf Prozentpunkte, und die Entgeltzuschüsse können um fünf Prozentpunkte erhöht werden.

Einzelantrag, Sammelantrag und Qualifizierungsgeld

Neben dem Einzelantrag kann der Arbeitgeber nach § 82 Abs. 5 einen Sammelantrag für mehrere vergleichbare Beschäftigte stellen, wenn diese oder die Betriebsvertretung zustimmen. Davon zu unterscheiden ist das Qualifizierungsgeld: eine Entgeltersatzleistung für Beschäftigte in Betrieben mit strukturwandelbedingtem Weiterbildungsbedarf, bei der der Betrieb die Weiterbildung finanziert.

Weiterbildungsgeld und Weiterbildungsprämie

Praktische Übung an einem Netzwerkschrank während einer Umschulung
Abschlussorientierte Weiterbildungen wie Umschulungen enden mit einer Abschlussprüfung. (KI generiertes Bild)

Für abschlussorientierte Weiterbildungen sieht § 87a SGB III zusätzliche Leistungen vor. Gemeint sind geförderte Weiterbildungen, die zu einem Abschluss in einem Ausbildungsberuf mit mindestens zweijähriger Ausbildungsdauer führen. Die BA nennt als Beispiele Umschulungen, berufsanschlussfähige Teilqualifikationen und Vorbereitungslehrgänge auf die Externenprüfung. Wie eine solche Umschulung aufgebaut ist, zeigt der Beitrag zur Umschulung zum Fachinformatiker.

  • Weiterbildungsgeld: Arbeitslose erhalten bei einer solchen Weiterbildung zusätzlich 150 Euro im Monat.
  • Prämie für die Zwischenprüfung: 1.000 Euro nach bestandener Zwischenprüfung oder bestandenem ersten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung.
  • Prämie für die Abschlussprüfung: 1.500 Euro nach bestandener Abschlussprüfung.

Für die Prämie ist laut Merkblatt 6 ein Nachweis der prüfenden Stelle vorzulegen, etwa eine Kopie des Kammerzeugnisses. Ob eine geplante Weiterbildung die Kriterien erfüllt, klärt die Agentur im Beratungsgespräch.

Das Beratungsgespräch vorbereiten

Ob ein Bildungsgutschein ausgestellt wird, entscheidet die Agentur. Eine gute Vorbereitung macht das Gespräch konkreter, ersetzt die Entscheidung aber nicht. Diese Punkte helfen dabei:

  • Ziel beschreiben: welcher Beruf oder welche Tätigkeit angestrebt wird und warum die bisherige Qualifikation dafür nicht ausreicht.
  • Arbeitsmarktbezug zeigen: aktuelle Stellenangebote sammeln, die die angestrebte Qualifikation verlangen.
  • Unterlagen bereitlegen: Lebenslauf, Zeugnisse und Nachweise über Berufserfahrung.
  • Alternativen kennen: mehrere passende Kurse und Formate recherchieren, statt sich früh auf ein einzelnes Angebot festzulegen.
  • Rahmen klären: Fahrweg, Kinderbetreuung, Unterrichtszeiten und einen möglichen Bedarf an Teilzeit ansprechen.

Einen Vertrag mit einem Träger unterschreibt man sinnvollerweise erst, wenn geklärt ist, ob und in welchem Umfang gefördert wird.

Unterlagen in einer Mappe auf einem Küchentisch
Lebenslauf, Zeugnisse und passende Stellenangebote geordnet für das Beratungsgespräch. (KI generiertes Bild)

Wenn der Antrag abgelehnt wird

Gegen einen schriftlichen Bescheid der Agentur für Arbeit ist ein Widerspruch möglich. Laut Merkblatt 6 ist er innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe einzulegen, Einzelheiten nennt die Rechtsbehelfsbelehrung im Bescheid. Ob ein Widerspruch im Einzelfall Aussicht hat, können unabhängige Beratungsstellen oder eine Fachanwältin beziehungsweise ein Fachanwalt für Sozialrecht einschätzen. Hilfreich ist außerdem, nach den Gründen der Ablehnung zu fragen und zu klären, ob ein anderes Bildungsziel oder ein anderer Kurs in Frage kommt.

Häufige Fragen

Wie lange ist ein Bildungsgutschein gültig?

Der Gutschein ist in der Regel zeitlich befristet, die konkrete Frist steht auf dem Gutschein selbst. Der Kurs muss innerhalb dieser Frist beginnen. Andernfalls verfällt der Gutschein, und ein neuer muss beantragt werden.

Gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Bildungsgutschein?

In der Regel nicht, denn die Förderung nach § 81 SGB III ist eine Ermessensleistung. Laut BA besteht ein Rechtsanspruch auf die Förderung des nachträglichen Erwerbs eines Berufsabschlusses sowie eines Hauptschul- oder vergleichbaren Schulabschlusses, und zwar unter bestimmten Voraussetzungen.

Wird das Arbeitslosengeld während der Weiterbildung weitergezahlt?

Laut BA wird Arbeitslosengeld in der Regel weitergezahlt, wenn die Weiterbildung während des Bezugs beginnt. Nach Merkblatt 6 mindert sich die Anspruchsdauer dabei für je zwei Tage Bezug nur um einen Tag. Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende laufen weiter, solange deren Voraussetzungen vorliegen.

Lässt sich ein Bildungsgutschein für einen Online-Kurs nutzen?

Maßgeblich ist nicht das Format, sondern die Zulassung von Träger und Maßnahme sowie die Angaben auf dem Gutschein, vor allem das Bildungsziel. Ob ein bestimmtes Online- oder Blended-Learning-Angebot passt, klärt man vorab mit dem Träger und der Agentur für Arbeit.

Was unterscheidet Bildungsgutschein und Bildungsurlaub?

Der Bildungsgutschein betrifft die Übernahme von Weiterbildungskosten durch die Agentur für Arbeit. Der Bildungsurlaub ist dagegen eine landesrechtlich geregelte bezahlte Freistellung von der Arbeit für anerkannte Bildungsveranstaltungen. Die Kurskosten sind damit nicht automatisch abgedeckt.