Hochschulforschung: Definition im Bildungskontext

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Hochschulforschung ist das Forschungsfeld, das Hochschulen selbst zum Gegenstand hat: ihre Studierenden und Beschäftigten, ihre Lehre, ihre Organisation und ihre Stellung in Staat und Gesellschaft. Sie fragt etwa, wer studiert, wie Studierende ihr Studium finanzieren, warum sie es abbrechen, wie Absolventinnen und Absolventen in den Beruf finden und wie Hochschulen gesteuert werden. Hochschulforschung ist keine eigene Fachdisziplin, sondern ein Feld, in dem Soziologie, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Ökonomie, Politik- und Rechtswissenschaft zusammenarbeiten.

Begriff und Abgrenzung

Der Begriff wird oft missverstanden. Hochschulforschung meint nicht die Forschung, die an Hochschulen in allen Fächern betrieben wird, sondern die Forschung über Hochschulen. Eine Physikerin, die an einer Universität forscht, betreibt also Physik und keine Hochschulforschung. Wer dagegen untersucht, unter welchen Arbeitsbedingungen Nachwuchswissenschaftlerinnen in der Physik promovieren, arbeitet im Feld der Hochschulforschung.

Eng verwandt sind drei Nachbarfelder:

  • Wissenschaftsforschung: untersucht Wissenschaft allgemein, also auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Publikationswesen und Forschungsförderung. Beide Felder werden häufig zusammen als Wissenschafts- und Hochschulforschung bezeichnet.
  • Bildungsforschung: befasst sich mit Lernen und Bildung über die gesamte Lebensspanne; Hochschulforschung ist in diesem Sinn ein Teilgebiet für den tertiären Bereich.
  • Hochschuldidaktik: konzentriert sich auf Lehren und Lernen an Hochschulen und entwickelt Formate für die Lehre. Sie stützt sich auf Ergebnisse der Hochschulforschung, ist aber stärker auf die Praxis der Lehrenden ausgerichtet.

Themen der Hochschulforschung

Die Themen lassen sich grob nach den Gruppen und Ebenen ordnen, die untersucht werden:

Themenfeld Typische Fragen
Studierende und Hochschulzugang Wer nimmt ein Studium auf? Welche Rolle spielen Herkunft, Schulabschluss und Wohnort? Wie wirkt sich die Öffnung für beruflich Qualifizierte aus?
Soziale und wirtschaftliche Lage Wie finanzieren Studierende Miete und Lebensunterhalt? Wie viel arbeiten sie neben dem Studium?
Studienverlauf und Studienerfolg Wie lange dauert ein Studium tatsächlich? Wann und warum wird es abgebrochen oder das Fach gewechselt?
Übergang in den Beruf Wie finden Absolventen eine Stelle, die zu ihrem Abschluss passt?
Wissenschaftlicher Nachwuchs Unter welchen Bedingungen wird promoviert? Wie verbreitet sind befristete Verträge?
Governance und Finanzierung Wie steuern Staat und Hochschulleitungen? Welche Folgen haben Zielvereinbarungen und leistungsbezogene Mittelvergabe?
Lehre und Qualitätssicherung Wie wirken Akkreditierung, Evaluation und neue Lehrformate?
Internationalisierung Wie haben sich Studienstruktur und Mobilität seit der Bologna-Reform verändert?

Zu den wiederkehrenden Fragen gehört auch die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung, etwa die Frage, wie gut Hochschulen außerhochschulisch erworbene Kompetenzen anerkennen. Das Stichwort dafür ist die Anrechnungsfähigkeit von Leistungen.

Aktuelle Forschungsthemen
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Methoden und Datenquellen

Hochschulforschung arbeitet überwiegend empirisch. Quantitative Studien stützen sich auf große Befragungen und auf die amtliche Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamts, die jährlich Studierende, Studienanfänger, Prüfungen, Personal und Finanzen der Hochschulen erfasst. Besonders aufschlussreich sind Panelstudien, die dieselben Personen über mehrere Jahre begleiten: vom Erwerb der Hochschulreife über das Studium bis in den Beruf. Ein Beispiel sind die Absolventenbefragungen, für die Hochschulen ihre ehemaligen Studierenden oft über ihre Alumni-Netzwerke erreichen.

Qualitative Studien nutzen Interviews, Gruppendiskussionen, Dokumentenanalysen und Fallstudien einzelner Hochschulen. Sie zeigen, wie Regelungen im Alltag umgesetzt werden, etwa wie eine Fakultät eine neue Prüfungsordnung einführt. Häufig werden beide Zugänge kombiniert.

Die größte Erhebung dieser Art ist „Die Studierendenbefragung in Deutschland“. Sie wurde im Sommersemester 2021 erstmals durchgeführt und führte drei zuvor getrennte Erhebungen zusammen: die Sozialerhebung, den Konstanzer Studierendensurvey und die Befragung „beeinträchtigt studieren“ (best). Getragen wird sie von einem Verbund aus dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), der Arbeitsgruppe Hochschulforschung der Universität Konstanz und dem Deutschen Studierendenwerk. Nach Angaben des DZHW nahmen rund 188.000 Studierende an 250 Hochschulen teil; der Bericht zur 22. Sozialerhebung erschien im Mai 2023. Die Befragung soll alle vier Jahre wiederholt werden.

Einrichtungen in Deutschland

Hochschulforschung findet an Lehrstühlen vieler Universitäten statt, daneben gibt es spezialisierte Institute:

Einrichtung Sitz und Träger Schwerpunkte
Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) Hannover; Gesellschafter sind Bund und Länder; im September 2013 aus dem HIS-Institut für Hochschulforschung hervorgegangen Studierenden- und Absolventenbefragungen, Studienabbruch, Wissenschaftsforschung, Forschungsdatenzentrum
International Centre for Higher Education Research (INCHER-Kassel) Forschungseinrichtung der Universität Kassel Übergang in den Beruf, internationale Vergleiche, Governance
Institut für Hochschulforschung (HoF) An-Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, gegründet 1996 Hochschulentwicklung, Hochschulen in Ostdeutschland, Hochschulgeschichte
Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) München, staatliches Institut des Freistaats Bayern Planungsgrundlagen für Wissenschaftsministerium und Landtag
Arbeitsgruppe Hochschulforschung Universität Konstanz Studierendensurvey, Studienbedingungen

Wissenschaftlicher Austausch läuft über die Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf) und über Fachzeitschriften wie „Beiträge zur Hochschulforschung“ des IHF und „die hochschule“ des HoF. Außerhalb der Wissenschaft im engeren Sinn veröffentlicht das gemeinnützige CHE Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh, 1994 von der Hochschulrektorenkonferenz und der Bertelsmann Stiftung gegründet, Hochschulrankings und Datenauswertungen; diese gelten als Beiträge zur Hochschulentwicklung und werden in der Forschung kritisch diskutiert.

Förderung

Das Bundesforschungsministerium fördert das Feld seit Jahren über den Förderschwerpunkt „Wissenschafts- und Hochschulforschung“, der auf dem Portal wihoforschung.de mit seinen Förderlinien und Projekten dokumentiert ist. Seit 2025 trägt das Ministerium den Namen Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Hinzu kommen Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Länder und der Europäischen Union sowie Aufträge von Ministerien und Hochschulverbänden.

Nutzen für Hochschulen, Politik und Studierende

Ergebnisse der Hochschulforschung dienen Ministerien und Hochschulleitungen als Planungsgrundlage, etwa bei der Kapazitätsplanung, der Reform von Studiengängen oder der Debatte um die Höhe der Ausbildungsförderung. Die Sozialerhebung liefert seit Jahrzehnten die Daten, auf die sich Diskussionen über Lebenshaltungskosten und BAföG-Sätze stützen. Studien zum Studienabbruch zeigen, in welchen Phasen und Fächern Studierende ein Studium beenden, und sind Grundlage für Beratungs- und Unterstützungsangebote in der Studieneingangsphase. Für Studieninteressierte und Studierende sind solche Befunde vor allem indirekt wichtig: Sie fließen in Studienordnungen, Beratungsangebote und Förderprogramme ein, auch in die Planung des akademischen Jahres und seiner Prüfungszeiträume.

Wer sich einen Überblick über Institute und Veröffentlichungen verschaffen will, findet beim DZHW die Berichte zu den großen Befragungen und den Zugang zum Forschungsdatenzentrum, über das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Befragungsdaten für eigene Auswertungen nutzen können.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hochschulforschung und Forschung an Hochschulen?

Forschung an Hochschulen umfasst alle Fächer, von der Chemie bis zur Geschichte. Hochschulforschung untersucht dagegen die Hochschulen selbst, also Studium, Lehre, Personal, Organisation und Hochschulpolitik.

Welche Fächer sind an der Hochschulforschung beteiligt?

Vor allem Soziologie, Erziehungswissenschaft und Psychologie, daneben Ökonomie, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Geschichte. Viele Fragen, etwa zum Studienabbruch, lassen sich nur mit Methoden aus mehreren dieser Fächer beantworten.

Welche Einrichtungen betreiben in Deutschland Hochschulforschung?

Außeruniversitär arbeitet vor allem das DZHW in Hannover, das von Bund und Ländern getragen wird. Daneben forschen unter anderem INCHER-Kassel, das Institut für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg, das Bayerische Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung und die Arbeitsgruppe Hochschulforschung der Universität Konstanz in diesem Feld.

Was ist die Sozialerhebung?

Die Sozialerhebung ist eine regelmäßige Befragung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden. Seit 2021 ist sie Teil der „Studierendenbefragung in Deutschland“; der Bericht zur 22. Sozialerhebung erschien im Mai 2023.