Bildungsbericht: Definition im Bildungskontext

Beitragsbild: mit KI erstellt

Ein Bildungsbericht ist eine regelmäßig erscheinende, datengestützte Bestandsaufnahme eines Bildungssystems oder eines Teils davon. Er beschreibt mit festen Kennzahlen, sogenannten Indikatoren, wie sich Bildungsbeteiligung, Abschlüsse, Kompetenzen, Personal und Ressourcen entwickeln. In Deutschland ist damit meist der nationale Bericht „Bildung in Deutschland“ gemeint, den eine unabhängige Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern seit 2006 alle zwei Jahre vorlegt. Daneben gibt es Bildungsberichte einzelner Länder und Kommunen.

Der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“

Den nationalen Bericht erstellt die Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung. Ihr gehören für den Bericht 2026 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgender Einrichtungen an: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, das die Federführung hat, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), Deutsches Jugendinstitut (DJI), Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) sowie die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Gefördert wird der Bericht von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesbildungsministerium, das seit 2025 Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend heißt.

Die Autor:innengruppe arbeitet wissenschaftlich unabhängig. Der Bericht selbst betont, dass seine datengestützte Darstellung nicht dazu geeignet ist, unmittelbar Handlungsempfehlungen für Politik oder Pädagogik abzuleiten. Er benennt aber Trends, Problemlagen und aus Sicht der Autor:innen zentrale Herausforderungen. Alle Berichte stehen kostenlos auf bildungsbericht.de zur Verfügung.

Aufbau und Schwerpunktthemen

Jeder Bericht folgt einer ähnlichen Gliederung entlang des Bildungsverlaufs. Am Anfang stehen Rahmenbedingungen wie Bevölkerungsentwicklung, Zuwanderung und Lebenslagen von Kindern. Es folgen Kapitel zu frühkindlicher Bildung, allgemeinbildender Schule, beruflicher Ausbildung, Hochschule und Weiterbildung im Erwachsenenalter. So lassen sich Entwicklungen über mehrere Berichte hinweg vergleichen.

Zusätzlich hat jeder Bericht ein Schwerpunktthema, das in einem eigenen Kapitel vertieft wird:

Bericht Schwerpunktthema
2006 Bildung und Migration
2008 Übergänge von der Schule in Berufsausbildung, Hochschule und Arbeitsmarkt
2016 Bildung und Migration, zehn Jahre nach dem ersten Bericht erneut
2018 Wirkungen und Erträge von Bildung
2020 Bildung in einer digitalisierten Welt
2022 Bildungspersonal
2024 Berufliche Bildung
2026 Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft

Die vollständige Übersicht aller Schwerpunkte seit 2006 führt die Website des Bildungsberichts. Der Bericht 2024 untersuchte unter anderem Ausbildungsmarkt, Übergänge und Abschlüsse im dualen System und an der Berufsschule.

Datenquellen und Indikatoren

Der Bericht wertet vorhandene Daten aus und führt keine eigenen großen Erhebungen durch. Grundlage sind vor allem amtliche Statistiken wie Schul-, Hochschul- und Berufsbildungsstatistik, Kinder- und Jugendhilfestatistik und der Mikrozensus, außerdem sozialwissenschaftliche Erhebungen wie das Nationale Bildungspanel, der Adult Education Survey und Schulleistungsstudien. Verwendet werden nur Daten, die repräsentativ sind und sich über die Jahre fortschreiben lassen.

Typische Indikatoren sind:

  • Bildungsbeteiligung, etwa die Betreuungsquote in Kitas oder die Studienanfängerquote,
  • Abschlüsse, etwa die Zahl der Absolventinnen und Absolventen nach Abschlussart und der Anteil der Jugendlichen, die die Schule mit einem Abgangszeugnis ohne Abschluss verlassen,
  • Übergänge zwischen Bildungsbereichen, etwa von der Schule in Ausbildung oder Studium,
  • Kompetenzen, etwa Lese- und Mathematikleistungen,
  • Ressourcen wie Bildungsausgaben und Personal.
Historische Entwicklung des Bildungsberichts
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Ausgewählte Befunde aus dem Bericht 2026

Der elfte Bericht „Bildung in Deutschland 2026“ zeigt beispielhaft, welche Art von Aussagen ein Bildungsbericht trifft:

  • 2024 war jedes vierte Kind von mindestens einer Risikolage betroffen, also Armutsgefährdung, geringer Qualifikation oder fehlender Erwerbstätigkeit der Eltern. Bei Kindern von Alleinerziehenden lag der Anteil bei 47 Prozent, bei Kindern in Paarfamilien bei 21 Prozent.
  • Die Kompetenzergebnisse von Schülerinnen und Schülern unterscheiden sich weiterhin stark nach sozialer Herkunft.
  • Viele Studienberechtigte erwerben die Hochschulreife an beruflichen Schulen; diese zweiten Wege, zu denen auch der Zweite Bildungsweg an der Abendschule gehört, sind besonders für Jugendliche aus weniger privilegierten Familien wichtig.
  • Die Studiennachfrage stagniert seit mehreren Jahren, die inländische Nachfrage ist eher rückläufig.

Solche Befunde werden in der Öffentlichkeit oft verkürzt zitiert. Wer mit Zahlen aus dem Bildungsbericht arbeitet, sollte deshalb auf Datenjahr, Altersgruppe und Definition des Indikators achten.

Stellung im Bildungsmonitoring

Der nationale Bildungsbericht ist ein Baustein der Gesamtstrategie der Kultusministerkonferenz zum Bildungsmonitoring, die in ihrer aktuellen Fassung von 2015 stammt. Weitere Bausteine sind:

  • die Teilnahme an internationalen Schulleistungsstudien wie PISA, TIMSS und IGLU,
  • die Überprüfung der Bildungsstandards durch das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen im IQB-Bildungstrend,
  • Vergleichsarbeiten wie VERA 3 und VERA 8 sowie Lernstands- und Sprachstandserhebungen der Länder.

Während die Schulleistungsstudien einzelne Kompetenzen genau messen, verknüpft der Bildungsbericht viele Datenquellen und betrachtet das Bildungssystem von der Kita bis zur Weiterbildung im Zusammenhang.

Bildungsberichte der Länder und Kommunen

Viele Länder geben eigene Bildungsberichte heraus, die dieselben Fragen für ihr Schulsystem und ihre Regionen beantworten und oft feiner nach Schularten und Landkreisen aufgliedern. Auch zahlreiche Kreise und Städte erstellen im Rahmen eines kommunalen Bildungsmonitorings Bildungsberichte, um etwa die Planung von Kitas, Schulstandorten und Übergangsangeboten auf Daten zu stützen. Inhalte und Erscheinungsrhythmus legen die jeweiligen Herausgeber fest.

Häufig gestellte Fragen

Wer erstellt den nationalen Bildungsbericht?

Eine unabhängige Autor:innengruppe unter Federführung des DIPF mit Beteiligung von DIE, DJI, DZHW, LIfBi, SOFI und den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder. Gefördert wird der Bericht von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesbildungsministerium.

Wie oft erscheint der Bildungsbericht?

Seit 2006 alle zwei Jahre. Der aktuelle Bericht trägt den Titel „Bildung in Deutschland 2026“ und hat den Schwerpunkt Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft.

Gibt der Bildungsbericht politische Empfehlungen?

Nicht unmittelbar. Er beschreibt Entwicklungen anhand von Daten und benennt Handlungsfelder und Herausforderungen. Welche Maßnahmen daraus folgen, entscheiden Bund und Länder im Rahmen ihrer Zuständigkeiten.

Was ist der Unterschied zwischen Bildungsbericht und PISA?

PISA ist eine internationale Schulleistungsstudie der OECD, die Kompetenzen von 15-Jährigen misst. Der Bildungsbericht wertet viele Datenquellen aus, darunter auch PISA-Ergebnisse, und beschreibt das gesamte Bildungssystem von der frühen Bildung bis zur Weiterbildung.