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Das Gymnasium ist eine weiterführende allgemeinbildende Schule, die nach zwölf oder dreizehn Schuljahren mit dem Abitur zur allgemeinen Hochschulreife führt. Es umfasst die Sekundarstufe I, in den meisten Ländern ab Klasse 5, und die gymnasiale Oberstufe. Kennzeichnend sind eine vertiefte Allgemeinbildung, mindestens zwei Fremdsprachen und in der Oberstufe ein Kurssystem, in dem Schülerinnen und Schüler Schwerpunkte wählen.
Die gymnasiale Oberstufe gibt es auch an Gesamtschulen, an beruflichen Gymnasien und auf dem zweiten Bildungsweg am Abendgymnasium. Das Gymnasium ist damit nicht der einzige, aber der häufigste Weg zum Abitur; einen Überblick über alle Wege gibt die Kultusministerkonferenz in ihrer Darstellung der Bildungswege und Abschlüsse.
Aufbau des Gymnasiums
| Abschnitt | Jahrgangsstufen (Regelfall) | Merkmale |
|---|---|---|
| Unterstufe | 5 bis 6 oder 7 | Erprobungs- oder Orientierungsstufe, Beginn der ersten oder zweiten Fremdsprache |
| Mittelstufe | 7 oder 8 bis 9 oder 10 | zweite Fremdsprache, Wahlpflichtbereich, je nach Land Profilwahl |
| Einführungsphase der Oberstufe | 10 oder 11 | einjähriger Übergang ins Kurssystem |
| Qualifikationsphase | 11 bis 12 oder 12 bis 13 | vier Halbjahre, deren Ergebnisse in die Abiturnote eingehen |
In Berlin und Brandenburg dauert die Grundschule in der Regel sechs Jahre, das Gymnasium beginnt dort meist mit Klasse 7. Nach der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz sind bis zur allgemeinen Hochschulreife mindestens 265 Jahreswochenstunden ab Jahrgangsstufe 5 vorgeschrieben, unabhängig davon, ob das Abitur nach zwölf oder dreizehn Jahren abgelegt wird.
Gymnasiale Oberstufe und Abitur
Voraussetzung für den Eintritt in die Oberstufe ist der Mittlere Schulabschluss mit der Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. Die Oberstufe gliedert sich nach der Darstellung der Kultusministerkonferenz in eine einjährige Einführungsphase und eine zweijährige Qualifikationsphase. Fächer werden auf grundlegendem oder erhöhtem Anforderungsniveau belegt, in vielen Ländern als Grund- und Leistungskurse bezeichnet.
Die Abschlussprüfung der Oberstufe ist die Abiturprüfung mit vier oder fünf Prüfungsfächern beziehungsweise Prüfungskomponenten, davon mindestens drei schriftlich und mindestens eine mündlich. Die Gesamtqualifikation setzt sich aus den Kursleistungen der Qualifikationsphase und den Prüfungsergebnissen zusammen. Erreichbar sind höchstens 900 Punkte; bestanden ist das Abitur ab 300 Punkten, die Note 1,0 gibt es ab 823 Punkten. Für Deutsch, Mathematik und die fortgeführte Fremdsprache gelten seit 2012 gemeinsame Bildungsstandards der Länder für die allgemeine Hochschulreife, für Biologie, Chemie und Physik seit 2020.
Wer das Gymnasium nach der Qualifikationsphase ohne Abitur verlässt, kann je nach Land den schulischen Teil der Fachhochschulreife erhalten; wer früher abgeht, erhält ein Abgangszeugnis mit dem erreichten Abschluss. Das letzte Schuljahr vor dem Abitur ist die Abschlussklasse beziehungsweise der Abiturjahrgang.
Übergang von der Grundschule
Wie der Wechsel aufs Gymnasium geregelt ist, entscheidet jedes Land selbst. In einigen Ländern entscheiden die Eltern nach einer Beratung durch die Grundschule frei. In anderen ist die Grundschulempfehlung verbindlich oder an Leistungen gebunden. In Bayern etwa ist für den direkten Übertritt ein Notendurchschnitt von 2,33 oder besser in Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht erforderlich, ansonsten ist ein Probeunterricht möglich. Baden-Württemberg hat die Grundschulempfehlung 2025 wieder verbindlicher gestaltet und einen landesweiten Leistungstest einbezogen. Da sich die Regeln ändern, gelten die Auskünfte des jeweiligen Kultusministeriums (Stand Oktober 2026).
G8 und G9
Zwischen 2001 und 2008 haben die meisten westdeutschen Länder die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre verkürzt (G8). Seitdem sind viele zur neunjährigen Form (G9) zurückgekehrt, häufig aufwachsend ab den Klassen 5 und 6. Bayern stellte ab dem Schuljahr 2018/19 um; 2026 legte dort der erste reguläre G9-Jahrgang das Abitur ab, nachdem 2025 kein regulärer Abiturjahrgang anstand. Nordrhein-Westfalen kehrte zum Schuljahr 2019/20 zu G9 zurück, Baden-Württemberg zum Schuljahr 2025/26. In Sachsen und Thüringen führt das Gymnasium dagegen seit der Wiedervereinigung nach zwölf Schuljahren zum Abitur.

Profile und Formen
- Altsprachlich oder humanistisch: Latein und Altgriechisch als Pflichtsprachen, oft mit Schwerpunkt auf Geschichte und Philosophie.
- Neusprachlich: Englisch, Französisch, Spanisch oder weitere moderne Fremdsprachen; teils bilingualer Sachfachunterricht.
- Mathematisch-naturwissenschaftlich: erweiterter Unterricht in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften.
- Musisch oder sportbetont: zusätzlicher Instrumental- oder Ensembleunterricht beziehungsweise Training in Kooperation mit Vereinen und Verbänden, etwa an Eliteschulen des Sports.
- Berufliches Gymnasium: dreijährige Oberstufe mit beruflichem Schwerpunkt wie Wirtschaft, Technik oder Gesundheit, meist an beruflichen Schulen, an denen auch die Berufsschule angesiedelt ist.
- Abendgymnasium und Kolleg: für Erwachsene mit Berufserfahrung, die das Abitur nachholen, siehe Abendschule.
Geschichte des Gymnasiums
Das Wort geht auf das griechische gymnásion zurück, eine Übungsstätte für körperliches Training, an der in Athen auch Philosophen lehrten. Im 16. Jahrhundert übernahmen Humanisten den Namen für höhere Lateinschulen; als frühes Beispiel gilt das 1538 von Johannes Sturm gegründete Gymnasium in Straßburg. In Preußen wurde 1788 die Reifeprüfung eingeführt, und im Zuge der Bildungsreformen Wilhelm von Humboldts entstand Anfang des 19. Jahrhunderts das humanistische Gymnasium mit Latein, Griechisch und Mathematik als Kern. Seit 1834 war das Abitur in Preußen die Voraussetzung für das Universitätsstudium.
Ende des 19. Jahrhunderts traten Realgymnasium und Oberrealschule mit modernen Sprachen und Naturwissenschaften hinzu; seit 1900 berechtigten auch ihre Abschlüsse in Preußen zum Studium. Die heutige Oberstufe mit Kurssystem geht auf eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz von 1972 zurück, die seitdem mehrfach überarbeitet wurde, zuletzt grundlegend 2023.
Lehrkräfte am Gymnasium
Gymnasiallehrkräfte studieren in der Regel zwei Unterrichtsfächer sowie Bildungswissenschaften und schließen mit einem Master of Education oder einer Ersten Staatsprüfung ab. Danach folgt der Vorbereitungsdienst, das Referendariat, der je nach Land zwischen 12 und 24 Monaten dauert und mit der Zweiten Staatsprüfung endet. Viele Gymnasien pflegen Kontakt zu ihren Ehemaligen über Fördervereine und Alumni-Netzwerke, die etwa bei der Berufs- und Studienorientierung mitwirken.
Vergleichbare Schulformen im Ausland
In Österreich führt die allgemeinbildende höhere Schule (AHS) zur Matura, in der Schweiz das Gymnasium oder die Kantonsschule zur gymnasialen Maturität. In Frankreich entspricht der Oberstufe das lycée mit dem baccalauréat. Dänemark kennt neben dem allgemeinen Gymnasium (stx) wirtschafts- und technikorientierte Bildungsgänge (hhx und htx), die ebenfalls zur Hochschulreife führen. Ob ein im Ausland erworbener Schulabschluss in Deutschland als Hochschulzugangsberechtigung gilt, prüfen die Zeugnisanerkennungsstellen der Länder oder die Hochschulen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Jahre dauert das Gymnasium?
Je nach Land acht oder neun Jahre ab Klasse 5, also insgesamt zwölf oder dreizehn Schuljahre bis zum Abitur. Viele westdeutsche Länder sind in den vergangenen Jahren zum neunjährigen Gymnasium zurückgekehrt.
Ab wie vielen Punkten ist das Abitur bestanden?
Ab 300 von höchstens 900 Punkten in der Gesamtqualifikation, wenn zusätzlich die Mindestanforderungen in Kursen und Prüfungen erfüllt sind. Die Note 1,0 wird ab 823 Punkten vergeben.
Braucht man eine Gymnasialempfehlung?
Das hängt vom Land ab. In manchen Ländern entscheiden die Eltern frei, in anderen ist die Empfehlung der Grundschule verbindlich oder an Noten und Tests gebunden, etwa in Bayern an einen Durchschnitt von 2,33 in den Kernfächern.
Was ist der Unterschied zwischen Gymnasium und Gesamtschule?
Das Gymnasium führt alle Schülerinnen und Schüler auf das Abitur zu. Die Gesamtschule vereint mehrere Bildungsgänge und bietet alle Abschlüsse vom Ersten Schulabschluss bis zum Abitur an, das dort meist nach dreizehn Jahren abgelegt wird.





