Gefördertes Lernen: Das große Stipendien-Dossier – Teil 1


Viele Schüler und Studierende sind unsicher, ob sie sich auf ein Stipendium bewerben können und was sie als Stipendiat erwartet. Sie sind vor allem skeptisch, was die eigene Qualifikation für eine Förderung betrifft. Oft fehlt den Betreffenden jedoch lediglich der Blick für die genauen Anforderungen oder einfach nur eine kleine Portion Selbstvertrauen. Wir klären auf, welche Förderer es gibt, welche Förderungsarten beantragt werden können, welche Anforderungen gestellt werden und warum es Sinn macht, sich zu bewerben. Letztlich sollen die Bewerber „als eigenständige und (selbst)kritisch denkende Persönlichkeiten“ individuell gefördert werden.

Denn die Chancen auf ein Stipendium sind so gut wie nie zuvor. Obwohl man den Verdacht hat, dass nur besonders begabte Menschen Anspruch auf eine solche Förderung haben, sind es mittlerweile rund drei Prozent aller Studierenden, die in Deutschland gefördert werden. Eine große Rolle spielt, neben den großen staatlichen Förderern, wie den Stiftungen, vor allem auch die wachsende Anzahl an privaten Förderinstituten und -programmen.

Wie finanziere ich mein Studium?

Bevor wir die einzelnen Förderungsprogramme im Detail vorstellen, lohnt sich vorab ein Blick auf die generellen Finanzierungsmöglichkeiten eines Studiums zu werfen. Die Finanzierungsmöglichkeiten eines Studiums sind vielfältig. Neben dem Stipendium gibt es eine Reihe weiterer Einnahmequellen, die Studierenden die finanzielle Unabhängigkeit oder zumindest eine solide Unterstützung bieten.

KindergeldDas Kindergeld wird derzeit bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres oder bis Abschluss der ersten Berufsausbildung gewährt. Derzeit beträgt der Förderbetrag 184€ monatlich (für das erste Kind). Kindergeld wird primär den Eltern oder Erziehungsberechtigten ausgezahlt - auf Antrag aber auch den Studierenden selbst. Alternativ besteht für Eltern die Möglichkeit, sich einen Steuerfreibetrag zu sichern. Pro Kind wird dann ein Teil des Einkommens nicht versteuert. Hier liegt die maximale Steuerersparnis derzeit bei 215€ monatlich, je nach Bruttoeinkommen.
BAföGDie staatliche Förderung nach dem Berufsausbildungsförderungsgesetz ist die derzeit in Deutschland am häufigsten verwendete Förderung für junge Menschen überhaupt. Der Höchstsatz liegt seit Oktober 2010 bei 670 € / Monat, sofern man außerhalb des Elternhauses wohnt. Das BAföG ist insofern eine echte Förderung, als dass nur die Hälfte als Darlehen vergeben wird – und dazu auch noch zinslos. Bei längerer Studiendauer oder Studienfachwechsel sind jedoch Besonderheiten zu beachten. Alle Informationen zum BAföG finden sich auf www.bafoeg.bmbf.de.
UnterhaltIn Deutschland besteht eine Unterhaltspflicht für Eltern, deren Kinder aufgrund ihrer Ausbildung oder anderer Faktoren nicht mehr im Elternhaus leben. Die Düsseldorfer Tabelle ist in erster Linie ein Ergebnis von unterschiedlichen Gerichtsbeschlüssen in Zusammenhang mit Unterhaltsforderungen. Sie ist in verschiedene Einkommensstufen geregelt. Bei einem durchschnittlichen Nettoeinkommen 1650 Euro von im Monat würde einem volljährigem Kind laut Tabelle ein Unterhalt von 513 € pro Monat zustehen. Davon abzuziehen sind die Kindergeldzahlungen von Seiten des Staates.
NebenjobWährend des Studiums zu arbeiten ist für 65% der Studierenden Normalität. Im Durchschnitt werden laut Süddeutscher Zeitung 323 Euro im Monat dazuverdient. Hier gilt die gesetzliche Grenze von derzeit 4800 Euro Einkommen pro Jahr zu beachten - ungeachtet der Förderbeträge seitens der Eltern oder des Staates. Wer darüber liegt, der muss mit einer Minderung beim BAföG rechnen. Der Anspruch auf Kindergeld darf aufgrund des eigenen Einkommens hingegen nicht reduziert werden. Viele arbeiten an der Hochschule selbst als Tutor, studentische oder wissenschaftliche Hilfskraft, einige hingegen in Supermärkten oder als Kellner. Bis zu 20 Stunden pro Woche sind erlaubt, ansonsten sieht der Gesetzgeber den Status als Studierender nicht erfüllt.
Bildungskredit und StudienbeitragsdarlehenNoch immer gibt es in einigen Bundesländer Studiengebühren oder Studienbeiträge. Diese können durch ein Darlehen kompensiert werden, insofern ist dies durchaus eine Form sein Studium zu finanzieren – wenngleich die günstigere Alternative wäre, an einer Hochschule ohne Beiträge zu studieren. Der Bildungskredit wird von der KfW vergeben und ist entgegen des BAföG unabhängig vom eigenen Einkommen sowie dem Einkommen der Eltern. Es handelt sich um ein günstig verzinstes Darlehen und ist ab dem 5. Fachsemester möglich. Die maximale Förderdauer beträgt 24 Monate und die Zahlung erfolgt in der Regel monatlich mit einem Höchstbetrag von 300 €.
Studienabschluss- und ÜberbrückungsdarlehenDiese Form der Darlehen wird häufig von den Studentenwerken selbst angeboten. Sie gelten nur für die Abschlussphase des Studiums und dienen vornehmlich dem Zweck, diesen Zeitraum finanziell unabhängig für das Examen zu nutzen bzw. bei der Promotion, die Kosten für die Veröffentlichung zu verringern. Die Darlehen sind in der Regel niedriger verzinst als übliche Bankangebote.
StudienfondsDiese Form der Finanzierung geschieht durch Unternehmen der Privatwirtschaft. Die Art und Weise der Finanzierung sowie Refinanzierung ist sehr unterschiedlich. Einige Darlehen sind gebunden an bestimmte Voraussetzungen, die zur Gewährung der Finanzierung gegeben sein müssen. Die Rückzahlung wird in der Regel prozentual vom Einkommen nach Berufseinstieg berechnet.

Interessanterweise beziehen die meisten Studierenden den Großteil ihrer monatlichen Einnahmen von ihren Eltern. Diese sind Einnahmequelle Nr.1 für über 40% der Studierenden. Das BAföG rangiert erst auf Platz 3, nach dem Nebenjob. Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, zunächst einen Antrag zu stellen. Man verschenkt zumindest kein Geld, wenn man wider Erwarten doch eine Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetzt bekommt. Viele machen jedoch ihren Förderungsantrag nicht geltend, obwohl sie es könnten. Ein häufig genannter Grund für die Nichtbeantragung ist, dass man keine Schulden anhäufen möchte.

Warum man sich um ein Stipendium bewerben sollte

Ein Stipendium besteht in der Regel aus zwei Komponenten: die immaterielle und die materielle Förderung. Zur immateriellen Förderung gehören spezielle Stipendienprogramme, Workshops, Sommercamps, Vermittlung von Auslandsaufenthalten aber auch regelmäßige Gespräche mit den Mentoren oder Betreuern. Außerdem verfügen einige Stiftungen über eigene Wissensressourcen wie Bibliotheken oder Archive.
Vielen Stipendiaten sind die fachlichen Gespräche mit anderen Kommilitonen aus dem Studien- bzw. Forschungsbereich aber auch die interdisziplinären Kontakte zu anderen Stipendiaten sehr wichtig. Das Ziel ist es, die Stipendiaten untereinander, aber auch mit anderen erfolgreichen Studenten oder Doktoranden zu vernetzen. Die regelmäßig angebotenen Seminare und anderen Veranstaltungen sind daher eine gute Grundlage für das eigene Networking, von dem man eventuell nach Abschluss der Förderung profitieren kann.
Zur materiellen Förderung gehört neben dem finanziellen Zuschuss in Höhe des BaföGs, einer monatlichen oder einmaligen Zahlung auch das Büchergeld zur Anschaffung von Lernmaterial. Einige Stiftungen finanzieren auch externe Tagungsbesuche, Auslandsaufenthalte oder -praktika.
Natürlich sollte man auch bedenken, dass man als Stipendiat auch ein bestimmtes Ansehen erlangt. Das Renommee der Stiftung ist in vielen späteren Bewerbungen vielleicht ein gewichtiger Punkt. Man hat selbst Interesse an sozialem Engagement und wird dies in der Regel während der Förderungszeit auch beibehalten. Außerdem hilft ein Stipendium bei der akademischen Karriere. Zum einen kann man für die Zukunft wichtige Kontakte knüpfen und zum anderen erwirbt man Qualifikationen, die Nicht-Stipendiaten in vielen Fällen verschlossen bleiben.

Ein wichtiger Grund, sich zu bewerben, ist die Tatsache, dass Stipendien immer mehr gefördert werden. Waren es 1998 noch 54 Millionen Euro, die für die Begabtenförderungsnetzwerke vom Bund ausgegeben wurde, so hat man 2011 die Ausgaben auf über 168 Millionen Euro angehoben. Hinzu kommt das zunehmende Interesse von Unternehmen und Privatpersonen an der Förderung in bestimmten Bereichen der Bildungslandschaft. Die teilweise dreistelligen Millionenspenden der Unternehmen an die Hochschulen zeigen, dass private Förderung ein wichtiger Faktor im bundesdeutschen Stipendiensystem geworden ist. Dafür spricht auch die zunehmende Zahl an Stipendiaten. 1998 wurden 10 258 Studierende in Deutschland gefördert, während es 2009 bereits 22 913 Studierende waren (Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung).

Befragt man Studierende im Alter zwischen 18 und 29 Jahren, warum sie sich bisher nicht um ein  Stipendium beworben haben, so lautet die meistgenannte Antwort, dass die Noten nicht ausreichend sind. Für ein Stipendium sind jedoch nicht unbedingt gute Noten entscheidend. Viele Förderer schauen sich lieber die gesellschaftlichen und fachlichen Leistungen des Kandidaten an. Das bedeutet, dass man nicht in jedem Fach überdurchschnittlich gut sein muss. Auch für „Spätzünder“ stehen die Chancen gut: Erkennt die Jury, dass sich der Bewerber besonders engagiert, so sind die schlechten Abi-Noten schnell vergessen.

Ein fehlendes 1,0er Abitur ist also kein Argument, sich nicht zu bewerben. Es ist eher ein Vorurteil, dass nur hochbegabte Kinder aus akademischen Familien eine Chance auf Förderung haben. Es gibt aber einige Stiftungen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, primär Schüler und Studierende aus bildungsfernen Schichten zu fördern. Auch die parteipolitische Zugehörigkeit spielt keine Rolle. Wenngleich es parteinahe Stiftungen geben mag, so sind diese doch eher dem allgemeinen menschlichen Idealen und nicht starr den Parteistrukturen gegenüber verpflichtet. Viele Stiftungen sehen sich als relativ unabhängig zu der eigenen Parteibasis und wünschen sich von ihren Bewerbern generelles politisches oder soziales Engagement, ganz gleich auf welchem Gebiet.
Der Aufwand, der mit einer Bewerbung um ein Stipendium, betrieben wird, ist vergleichsweise hoch. Es müssen nicht nur eine gute schriftliche Bewerbung und ein anschaulicher Lebenslauf verfasst werden, sondern man muss sich auch sehr intensiv auf die Gespräche vorbereiten. Einige Stiftungen haben auch Auswahltests, Klausuren, Essays oder Bewerbungsseminare mit Referaten. Dennoch ist die Arbeit nicht vergebens: die Unterlagen kann man für spätere Bewerbungen einsetzen und auch durch nicht erfolgreiche Gespräche kann man schließlich wertvolle Erfahrungen sammeln.

Zu jedem Kapitel des Dossier wird an dieser Stelle ein staatliches Förderwerk kurz vorgestellt:

Portrait staatlicher Förderer: Die Studienstiftung

Auch Dr. Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der FAZ, war Stipendiat dort: Die Studienstiftung des Deutschen Volkes wird sowohl vom Bund als auch von den Bundesländern, den Kommunen, dem Stifterverband der Deutschen Wissenschaft, anderen Stiftungen und auch von Privatpersonen getragen. Sie vertritt keine politische, konfessionelle oder weltanschauliche Linie. Als potenzieller Stipendiat wird man entweder von Lehrkräften, der Schulleitung oder Hochschullehrern vorgeschlagen oder man bewirbt sich selbst als Studierender im ersten oder zweiten Semester bzw. als Doktorand bei der Stiftung. Fast die Hälfte aller Stipendiaten sind bei der Studienstiftung, weshalb sie auch über das größte Programm zur immateriellen Förderung verfügt:  Sommerakademien, studienfachspezifischen Tagungen und Exkursionen mit lokalen Hochschulgruppen sind nur ein Auszug aus den vielen Möglichkeiten. Jeder Stipendiat hat zudem die Möglichkeit, sich für einen Sprachkurs anzumelden.

Logo Studienstiftung

„Leistung, Initiative, Verantwortung“

Sitz: Bonn
Zielgruppen: Studierende / Doktoranden
Derzeit gefördert: 11 000 Stipendiaten
Maximalalter: 35 Jahre
Maximale Förderdauer: Ende der Regelstudienzeit
Bewerbungsmöglichkeiten: Selbstbewerbung, Vorschlag
Nächster Termin: 14. Januar bis 12. Februar 2013 (zur Selbstbewerbung)

Anschrift: Studienstiftung des deutschen Volkes e.V., Ahrstraße 41, 53175 Bonn
Web: www.studienstiftung.de