In zahlreichen Studien ist es mittlerweile gezeigt worden: die Lebenserwartung steigt mit dem Bildungsniveau. Menschen mit höheren Schulabschlüssen sind gesünder und leiden vor allem seltener an gravierenden Krankheiten. Woran liegt das? Macht Bildung etwa gesund?

Gesundheit als Wert

Gebildete Menschen sind zum einen gesünder, da Gesundheit ihnen oft mehr bedeutet. Eine gesunde Ernährung, Sport und ein gesundheitsförderlicher Lebensstil ist ihnen wichtig, um lange gesund zu bleiben. Ein Aspekt, der dies erklären kann, ist, dass gebildete Menschen einfach mehr über die Zusammenhänge von Ernährung, Bewegung, Lebensstil und Gesundheit wissen. Allgemeinbildung vermittelt z.B. Wissen darüber, welche Inhaltsstoffe in Lebensmitteln gesund sind und welche nicht. Wer die Zusammenhänge gut kennt, der kann dann auch darauf achten, den Bedingungen für Krankheiten und ein kurzes Leben aus dem Weg zu gehen.

Wertebildung in der Familie

Wie die Bildungsforschung in den letzten ca. 15 Jahren gezeigt hat, hängt Bildung sehr stark vom Elternhaus ab. Das Bildungsniveau korreliert mit der sozialen Herkunft. Im Falle der oben genannten Besingungen für ein gesundes Leben ist dies ähnlich. Da Bildung zu mehr Gesundheitsbewusstsein und damit auch zu einem gesünderen Lebensstil führt, ist dies abhängig von der sozialen Herkunft. Gerade Gesundheits-, Ernährungs-, und Bewegungsaspekte erlernen wir in der Familie. Schon als Kind werden gewisse Geschmackspräferenzen geprägt und Einstellungen gegenüber einer gesunden Lebensweise geschaffen. Dies beginnt damit, was in der Familie gegessen wird und endet damit, ob eher viel auf dem Sofa gesessen oder gemeinsame Radtouren gemacht werden. Die Bedeutung von Gesundheit und das Wissen über Zusammenhänge diesbezüglich werden also schon in den ersten Lebensjahren erlernt.

Die Bezahlbarkeit von Gesundheit

Auch das Einkommen hängt stark von der Bildung eines Menschen ab. Das hat erst einmal nichts mit Gesundheit zu tun, sondern gilt ganz grundlegend: wer den höheren Abschluss hat, verdient meistens auch mehr Geld. Für die Gesundheit muss das nicht unbedingt etwas bedeuten, tut es in Deutschland aber schon. Zwar gibt es eine verpflichtende Krankenversicherung, aber die deckt nicht alle Kosten. Gerade zahnärztliche Behandlungen müssen selbst bezuschusst werden und auch sonst werden mittlerweile Praxisgebühren und Zuzahlungen fällig (die sich teilweise aber nach dem Einkommen richten). Auch alternativmedizinische Leistungen müssen weitgehend selbst gezahlt werden. Unterschiedliche Einkommensbedingungen führen hierdurch auch dazu, dass die Möglichkeit der gesundheitlichen Versorgung variieren. Ob Gesundheit einen Wert hat, spielt dann für viele gar keine Rolle mehr, da man sich Gesundheit dann einfach nicht mehr leisten kann. In Deutschland ist dies zwar (noch) nicht so stark ausgeprägt, aber in den USA beispielsweise ist dieser Zusammenhang massiv zu erkennen.

Sollte wirklich die Bildung eines Menschen über seine Gesundheit entscheiden?

Die Gesundheit eines Menschen ist also abhängig von seiner Bildung, was sowohl an seinem Wissen, seinen Gewohnheiten, seinen Vorbildern, aber auch an seinem Einkommen liegt. Aber ist das fair? Ist die Gesundheit nicht ein so existenzielles Bedürfnis, dass sie allen gleichermaßen zustehen sollte?

Es ist zu bedauern, wenn die tatsächliche Lebenserwartung von der Bildung eines Menschen abhängt. Gerade die Bedeutung von Ernährung und Bewegung sollte möglichst allen vermittelt werden. Es ist schade, dass Familien, Kindergärten und Schulen es nicht schaffen, wenigstens im Falle der Gesundheit eine Art von Chancengleichheit herzustellen. Anscheinend werden andere Inhalte jedoch als wichtiger empfunden als die Gesundheit. Es bleibt allerdings dabei, dass das gesunde Leben doch ein sehr wichtiger Bildungsinhalt ist und dass Gesundheit vor allem eine Bedingung für weitere Bildung, gutes Lernen und erfolgreiches Arbeiten darstellt.

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)