Anstatt die Moscheen in die Hände ausländischer Imame zu legen, die oft nur vorübergehend in Deutschland sind, sollen nun vermehrt Imame in Deutschland ausgebildet werden. An deutschen Universitäten soll islamische Theologie studiert werden können (z.B. an der Universität Osnabrück), um die Imame gut auf die Herausforderungen in der deutschen Gesellschaft vorzubereiten.

„Es sei wichtig, Imame nicht aus dem Ausland zu importieren, sondern in Deutschland auszubilden. Über das Weiterbildungsprogramm für Imame, das die Uni Osnabrück aufgelegt hat, und die Ausbildung von Religionspädagogen hinaus soll dort ab dem Wintersemester 2012/13 auch islamische Theologie angeboten werden.“

Dieses neue Bildungsangebot soll die Integration von Muslimen in Deutschland weiter vorantreiben und Extremismus entgegenwirken.

Integration als Studieninhalt

Der neue Studiengang steht jedoch nicht alleine da: mittlerweile gibt es zahlreiche Studiengänge, die sich auch in Deutschland mit dem Islam und mit der Integration von Migranten befassen. Einige dieser Studienmöglichkeiten sollen hier kurz vorgestellt werde:

Die Universitäten Münster, Bayreuth und Osnabrück beispielsweise bieten Studiengänge zum islamischen Religionspädagogen an (für den islamischen Religionsunterricht an Schulen). Lehramtsstudenten können dies als eines ihrer Unterrichtsfächer studieren. Allerdings kommt über die Organisation dieser Studiengänge häufiger Kritik auf, da Lehrpläne und Studieninhalte erst in den Startlöchern stehen.

Mit dem Thema Migration und Integration allgemein beschäftigen sich aber auch viele Hauptfach-Masterstudiengänge wie etwa die folgenden:

In diesen Studiengängen werden sozialwissenschaftliche, kulturwissenschaftliche und sprachwissenschaftliche Elemente in unterschiedlicher Art und Weise miteinander kombiniert und führen Bachelor-Studiengänge in den einzelnen Bereichen mit dem Schwerpunkt auf Integrationsarbeit fort.
Teilweise kann jedoch auch sofort ab dem ersten Studiensemester ein solcher Studiengang studiert werden. Die Universität Frankfurt bietet den Bachelor-Studiengang Islamische Studien an, in dem die Kombination der genannten Fachgruppen jedoch auf den Islam begrenzt wird.

Hinzu kommen zahlreiche Studienmodule, die die Lehramtstudiengänge ergänzen. So kann man an praktisch allen Universitäten oder pädagogischen Hochschulen, an denen Lehrer ausgebildet werden, einen zusätzlichen Bereich wählen, der sich mit Integration und Migration auseinandersetzt (z.B. Uni Halle-Wittenberg, Pädagogische Hochschule Karlsruhe, Universität Münster usw.).

Außerdem gibt es ein größeres Angebot von Studiengängen an verschiedenen Universitäten, das sich an bereits etablierte Fachkräfte im pädagogischen Bereich richtet und eine Art Fortbildung mit integrationspädagogischem Schwerpunkt darstellt. Ein Beispiel für ein solches Angebot ist das Kontaktstudium Europäische Migration (EUROMIR)  der Universität Mainz.

Was bringen diese Studiengänge?

Integration ist eines der Topthemen der letzten Jahre und die neueren Studiengänge, die eben diese befördern sollen, folgen gewissermaßen diesem Trend. Der Forderung nach einer Eingliederung von Migranten in die deutsche Gesellschaft wird auf diese Weise nachgekommen. Dennoch hört man trotz der vielen für Integration ausgebildeten Lehrer und der Integrationsfachkräfte immer wieder, dass Integration nicht häufig gelingt oder sogar verweigert wird. Wozu also diese Studiengänge?

Meiner Ansicht nach sind diese Studiengänge enorm wichtig, da sie, auch wenn die neuen Fachkräfte nur in einem begrenzten Rahmen Integration befördern können, verdeutlichen, dass Integration kein einseitiger Prozess ist, den man von Einwanderern und deren Nachkommen erwartet, sondern ein gemeinschaftlicher Prozess. Die deutschen Universitäten kümmern sich darum, dass Menschen ausgebildet werden, die Integration von der Seite der Aufnahmegesellschaft her gestalten. Sie zeigen, dass in Deutschland Migranten nicht alleine klar kommen müssen, sondern die deutsche Gesellschaft daran interessiert ist, dass ihnen geholfen wird und mit ihnen gemeinsam an einer multikulturellen oder transkulturellen Gesellschaft gearbeitet wird.
Insofern sind die hier vorgestellten Studiengänge durchaus wichtig und notwendig. Man sollte allerdings darauf hoffen dürfen, dass sich dahinter nicht nur leere Floskeln verbergen, wie beim islamischen Religionspädagogen häufig bemängelt wird. Der gute Wille allein reicht beim Thema Integration nämlich nicht aus.

Bildnachweis: @istockphoto/Zurijeta

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